Über Tanzkomplizen

Liebes Publikum, liebe Eltern, liebe Lehrer*innen,

lange Monate der Distanz liegen hinter uns. Monate der Sehnsucht nach Nähe, des Nachdenkens über scheinbar unumstößliche Gewiss-heiten, aber auch des Aufruhrs gegen Ungerechtigkeit. Sowohl Corona als auch die Rassismus-Debatte nach dem Mord an George Floyd sind Anlässe, als Gesellschaft näher zusammenzurücken und uns zu fragen: In welcher Normalität wollen wir eigentlich leben?

Der Begriff Fremdkörper hat uns in den vergangenen Wochen immer wieder begleitet. Wir haben ihn als Überschrift unserer Spielzeit gewählt, weil sich in ihm zahlreiche Facetten gegenwärtiger Erlebnisse und Debatten spiegeln. Viren sind Fremdkörper. Rassismus erklärt Menschen zu Fremdkörpern. Im physischen Abstand werden sich Kör-per fremd. Und wir alle kennen die Erfahrung des Heranwachsens, sich im eigenen Körper fremd zu fühlen.

Wir möchten in dieser Spielzeit erproben, wie wir trotz strenger Pandemie-Maßgaben wieder zu Nahkörpern werden können. Dafür haben wir ein Konzept entwickelt, das es uns erlaubt, Tanz für junges Publikum live zu zeigen – sowohl in der Schillertheater-Werkstatt als auch mobil in Aulas, Turnhallen oder auf Sportplätzen. Wir laden Tänzer*innen mit ihren Partner*innen und Kindern ein, unser Spielzeitthema in getanzten Familienporträts zu interpretieren. Der neue Jahrgang der TanzZeit-Jugendcompany wird durch die Schulen touren, um live vor Ort Gleichaltrigen oder jüngeren Kindern ihre Leidenschaft für den Tanz nahe zu bringen. Auf dem Fachtag zu Tanz und Rassismus „The other body?“, der im März ausfallen musste und nun gleich zu Beginn der Spielzeit nachgeholt wird, wollen wir strukturelle Ungleichheiten im Tanz diskutieren. In unserem Herbstprojekt „Tanz, Musik, Bühne: Was ist deine Kunst?“ laden wir zehn Schüler*innen ein, Kunst als eine Ausdrucksform zu erleben, die keine Unterschiede macht.

Auch die Tanzstücke in der Schillertheater-Werkstatt greifen das Thema Fremdkörper mit lustvoller und zugleich fragender Haltung auf. Ob es dabei um die Phase zwischen Kindheit und Jugend geht, die von so manchen Ängsten und Dunkelheiten bestimmt ist, um Momente der Einsamkeit, in denen man sich Freunde herbeifantasiert, oder um den Kontrast von Mensch und Möbelstück: Der Körper erzeugt Bewegung, entwickelt eigene Lösungen und kann das Gefühl der Fremdheit überwinden. Unsere Vermittlungsformate lassen diese Gewissheit am eigenen Körper erleben.

Wir freuen uns sehr darauf, Sie bei uns bald live zu sehen oder mit Ihnen individuelle Termine für Aufführungen in Ihrer Schule zu vereinbaren.

Ihr TANZKOMPLIZEN-Team

Livia Patrizi (Künstlerische Leitung)
Thomas Dörschel (Projektleitung)
Amelie Mallmann (Vermittlung)
Laura Kraus (Öffentlichkeitsarbeit)

(c) René Löffler

(c) René Löffler